Würzburg-Historisches

Würzburg: Historischer Glanz und Spitzenforschung
Würzburg: die Stadt am Main, die Stadt mit der hochaufragenden Burg auf dem Marienberg, eingerahmt von Weinbergen, von Touristen hunderttausendfach jedes Jahr auf der Suche nach dem Erbe aus 1300 Jahren Geschichte angefahren. Würzburg, die Stadt, deren geschichtsträchtiger Kern nur wenige hundert Meter von Balthasar Neumanns fürstbischöflicher Residenz, über den Dom, die Alte Mainbrücke bis zur Festung Marienberg reicht. Würzburg, die Stadt, in der eine unvorstellbare Zahl prächtiger Bauwerke und ihre Einrichtungen und Sammlungen mit unwiederbringlichen Zeugnissen aus allen Epochen ihrer Geschichte unterging im Feuersturm britischer Bomben, abgeworfen von einem 230 Flugzeuge zählenden Verband am Abend des 16. März 1945 von 21.25 bis 21.42 Uhr. Etwa 4.500 Menschen starben. 95 Prozent der Stadt waren zerstört.

Die Gedenkfeiern zum Untergang des Alten Würzburg im vergangenen Jahr, 50 Jahre danach, teilten das Los solcher Feiern: Generationen haben wieder aufgebaut, weitergebaut, die Heutigen sind der Katastrophe entwachsen. Die moderne Zeit überdeckt die Erzählungen der Alten. Die Zeit legt ihren Mantel des Vergessens über allzuhäufigen Mangel an Behutsamkeit im Umgang mit historischem Erbe beim Wiederaufbau - eine Grundstimmung in der Stadt, die selbst heute noch wirkt. Auch der Besucher Würzburgs sucht nicht Verlorenes: Er kann sich begeistern lassen vom Blick aus den Fenstern der Residenz über den riesigen Platz hin über den Dom zur Festung, kann im Schatten des Domes die baulichen Strukturen seiner Umgebung mit dem Neumünster auf sich wirken lassen und in der Stille des Lusamgärtchens am schlichten Gedenkstein seinen Erinnerungen aus dem Schulunterricht an Walther von der Vogelweide nachhängen, der in der Stadt am Main seine letzten Lebensjahre verbracht hat und dort wohl bestattet wurde.

Der Würzburg-Besucher geht weiter, erreicht Minuten später die - dem Rat der Stadt sei Dank - heute für den Verkehr gesperrte Alte Mainbrücke, errichtet 1133. Dort, inmitten der zwölf Heiligenfiguren, kann er sich ganz dem einzigartigen Gesamteindruck des Anblicks der Stadt am Main hingeben, das Bild auf sich wirken lassen, verinnerlichen. Gleich unterhalb der Mainbrücke befand sich die schon in vorgeschichtlicher Zeit benutzte Furt, die über Jahrtausende zentrale Bedeutung für uralte Straßenverbindungen aus dem Südwesten und dem Frankfurter Raum einerseits hin nach Norden und Osten andererseits hatte; der Fluß selbst, historische Schiffahrtsstraße und zusammen mit Furt und Marienberg ursächlich für die Stadt, deren Kern sich da wenige Meter vor den Augen entfaltet mit der ganzen Vielzahl der Kirchtürme und Kuppeln, dem Dom im Zentrum, dem Rathausturm. Auf der anderen Seite des Mains reckt sich schroff der Marienberg hoch; Grabfunden weisen auf eine Besiedelung bereits in vor- und frühgeschichtlichen Zeiten hin. Hoch oben die Festung Marienberg mit der Marienkapelle im inneren Burghof, deren Existenz als eine frühe christliche Kirche im 8. Jahrhundert heute kaum mehr bezweifelt wird

Historischer Stempelabdruck: Die Bischofsstadt
Erstmals urkundlich erwähnt findet sich nach unserem Gang auf die Festung die nun unter uns liegende Stadt in einer Urkunde von 704, die "in castello Virteburch" ausgestellt wurde; nach der Burg hat sie vielleicht ihren Namen erhalten. Nun schweift der Blick von den mächtigen Wallmauern über die (barocke) "Perle am Main", erkennt Strukturen die auf ihre natürlichen landschaftlichen Grundlagen und ihre historischen Entwicklungen schließen lassen. Was sich ganz zentral als Achse Burg, Brücke, Dom mit Umgebung, Residenz, darstellt, ist neben den unzählig anmutenden Kirchtürmen mit teilweise dazugehörigen Klosteranlagen der unübersehbare historische Stempelabdruck, den die vom "Apostel der Deutschen", Bonifatius, 742 getroffenen Entscheidung hinterließ, Würzburg zur Bischofsstadt zu erheben und seinen angelsächsischen Landsmann Burkhard als ersten Bischof der Stadt am Main einzusetzen. Der Dom als bischöfliche Kathedrale, die Marienburg als fürstbischöflicher Regierungssitz, die "Bischofsmütze", der strukturell vom Klerus geprägte Kern der Altstadt, bis hin zur damals am Stadtrand von Balthasar Neumann erbauten Residenz - das "schönste Pfarrhaus Europas", wie Napoleon gespöttelt haben soll - verdanken ihr Dasein allesamt der Existenz der Bischöfe und Fürstbischöfe, künden von einer mittelalterlichen Stadt von hervorgehobener Bedeutung.

 

 

 

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