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Informationen
über die Universität
Erstgründung
im Jahre 1402
Fast die
Hälfte ihrer 1300jährigen Geschichte, vom 8. Jahrhundert
bis ins 13. Jahrhundert, hatte die Stadt bereits hinter sich, Jahrhunderte,
in denen Würzburgs auch politisch (mit der Einbindung Würzburger
Bischöfe in die kaiserliche Politik) bedeutendste Zeiten lagen,
als sich erstmals 1402 ein Fürstbischof daranmachte, eine Universität
zu gründen. 1402 erhielt Johann von Egloffstein von Papst Bonifaz
IX. die Genehmigung zum Ausbau einer Hohen Schule zu Würzburg.
Aufgrund der Ungunst
der Zeiten und nicht zuletzt auch wegen einer wenig gesicherten
finanziellen Grundlage war dieser Erstgründung allerdings nur
ein kurzes Leben beschieden. Johannes Trithemius, der bekannte Humanist
und hochgelehrte Abt des Würzburger Schottenklosters St. Jakob,
suchte 1506 die Gründe für den raschen Niedergang der
ersten Würzburger Universität in dem damaligen ausschweifenden
Leben der Studenten. In seinen "Annales Hirsaugiensis Chronologia
Mystica" bezeichnet er als große Hemmnisse im Würzburger
Studium: Bäder, Liebe, Händel, Würfel, Rausch, Geschrei
und Krach. Tatsächlich wurde 1413 der erste Rektor der Würzburger
Universität, Johann Zantfurt, von einem, offenbar unter diesen
rauhen Einflüssen stehenden, "Famulus" hinterrücks
erstochen. War die Erstgründung Johann von Egloffsteins aus
dem Jahre 1402 auch gescheitert, so stellt sie doch die Stadt Würzburg
neben Prag (1348), Wien (1365), Heidelberg (1386), Köln (1388)
und Erfurt (1392) in die Reihe der Städte, die zu den ältesten
Universitätsstädten im deutschsprachigen Raum zählen.
Erst mehr als eineinhalb
Jahrhunderte später sollte die erste Universitätsgründung
ihre Fortsetzung finden. Die von Fürstbischof Julius Echter
von Mespelbrunn (1545-1617) 1582 erneut gegründete Universität,
deren Autonomie, Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit garantiert
waren, hatte zunächst einen rein katholischen Charakter und
wurde politisch als "Bollwerk für den Katholizismus gegenüber
dem Protestantismus" verstanden. So war es dem Wortlaut des
Stiftungsbriefes nach ausschließlich Katholiken vorbehalten,
an der Alma Julia zu graduieren und Fakultätszugehörigkeit
zu erlangen.
Julius Echter erließ
wohl aufgrund der Erfahrungen der Erstgründung im Rahmen der
allgemeinen Universitätsgesetze auch ein striktes Studierstatut.
Auf der Verbotsliste standen: Trunkenheit, Würfelspiel, das
Mitnehmen von Waffen in die Vorlesung, der Besuch zweifelhafter
Wirtshäuser, Vermummung und das Baden im Main. Der damalige
Zeitgeist spiegelt sich auch aufs trefflichste im folgenden Hinweis:
"Am Biertisch darf nicht über Lehrsätze der Religion
gesprochen werden." Anders als bei ihrer Vorgängerin gründete
die Existenz der neuen Würzburger Universität auf einer
gesunden finanziellen Basis. Der Finanzmann Echter hatte ihren Fortbestand
durch Ankäufe und Stiftungen auf Dauer gründlich abgesichert.
Nach neunjähriger Bauzeit konnte Julius Echter am 8. September
1591 die sogenannte "Alte Universität" einweihen,
Teil eines politisch - gegenreformatorisch - begründeten riesigen
Bauprogramms, wozu auch das von ihm gegründete Julius-Spital
gehörte.
Aufblühende
Medizinische Fakultät
Erst seit
der im Geiste der Aufklärung unter Fürstbischof Friedrich
Carl von Schönborn, neu verfaßten Studienordnung von
1734 öffnete sich die Universität in zunehmendem Maße
auch Nichtkatholiken. Unter seinem Nachfolger Adam Friedrich von
Seinsheim konnte so der berühmte Mediziner Carl Caspar von
Siebold 1769 nach Würzburg berufen werden, der erwirkte, daß
auch protestantische Medizinstudenten zur Promotion zugelassen wurden.
Im Zuge der Säkularisierung
des Hochstifts Würzburg und des endgültigen Übergangs
in die bayerische Herrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts - bis
1814 war Würzburg für acht Jahre zum Großherzogtum
unter Ferdinand von Toscana ernannt worden - verlor die Alma Julia
vollends ihren kirchlich-katholischen Charakter und wurde zu der
paritätischen Universität, die wir heute noch, wenn auch
strukturell stark verändert, vorfinden. Ihre nicht zuletzt
damit verbundene, vollkommene Öffnung für alle Wissenschaftler
und Studierende ermöglichte gerade im 19. Jahrhundert einen
ungeahnten Aufschwung auf den Gebieten der Forschung und Lehre.
Echters Gründungswerk heißt seitdem offiziell Bayerische
Julius-Maximilians-Universität
Der wissenschaftliche
Ruf der Universität Würzburg wurde in diesem Jahrhundert
vor allem durch das Aufblühen der Medizinischen Fakultät
gefestigt, - eine Entwicklung, die sich indirekt an der Zahl der
Medizinstudenten, die zwischenzeitlich die Hälfte der Gesamtzahl
der Würzburger Studenten ausmachte, ablesen läßt.
Zu den Lehrstuhlinhabern der Zeit zählten so bedeutende Persönlichkeiten
wie die Familie Siebolds, der nicht nur eine ganze Reihe hervorragender
Ärzte, sondern auch der große Japanforscher Philipp Franz
von Siebold entstammte. Ferner wirkten an ihr die bedeutenden Mediziner
Döllinger und Schoenlein, die den wissenschaftlichen Boden
für die Forschungsarbeit des großen Anatomen und Experimentalphysiologen
von Koelliker, des Pathologen von Virchow, seinerzeit Ordinarius
auf dem ersten deutschen Lehrstuhl für Pathologie hier in Würzburg
und dessen Schüler und späteren Nachfolger von Rindfleisch
bereiteten sowie der Polikliniker und klinische Diagnostiker von
Rinecker, der hier am Orte die erste Kinderklinik der Welt einrichtete.
Sie alle, um nur einige zu nennen, trugen mit ihren Errungenschaften
zum hohen nationalen und internationalen Ansehen der Würzburger
Medizinischen Fakultät wie der gesamten Universität bei.
Großen Anteil an
dem gewaltigen Aufschwung der hiesigen Medizin, besonders von der
Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, hatten auch die mit ihr
im engsten Zusammenhang stehenden naturwissenschaftlichen Diszipilinen,
als deren glänzendste Vertreter der Botaniker Schwab, der Zoologe
Semper, der Chemiker Wislicenus und der Biologe Boveri erwähnt
seien. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildete die Entdeckung
dessen, was der Physiker und erste Nobelpreisträger für
Physik, Wilhelm Conrad Röntgen, 1895 als "eine neue Art
von Strahlen" bezeichnete. Die Entdeckung der Röntgen-Strahlen
zählt wohl zu den größten und für die ganze
Welt fruchtbarsten geistigen Taten an der Würzburger Universität.
Auch die Nachfolger auf Röntgens Lehrstuhl Wilhelm Wien und
Johannes Stark sowie die Chemiker Emil Fischer und Eduard Buchner
gehören zu der Reihe von Nobelpreisträgern an der Alma
Julia, die mit Klaus von Klitzing ihre Fortsetzung bis in die Gegenwart
erfährt.
Die Vielzahl der namhaften
Wissenschaftler, die dem Lehrkörper der Alma Julia angehörten,
zeugt von ihrem Ruf und Ansehen weit über die Stadt- und Landesgrenzen
hinaus. Zu ihnen gehörten u.a. die Juristen von Edel und Kohler,
der Rechtshistoriker und Schriftsteller Felix Dahn, die Philosophen
Brentano und Schelling, sowie die Theologen Schell und Merkle.
1896, als im Zuge einer
ersten Auslagerung Teile der alten Universität aus dem alten
Stadtkern an den damaligen Stadtrand ausgelagert wurden, bezogen
die Geisteswissenschaften das Gebäude der heutigen Universität
am Sanderring. 1921 nahm die neue Universitätsklinik im Stadtteil
Grombühl, das Luitpoldkrankenhaus, ihren Betrieb auf. Im Norden
der Stadt entstand von 1876 bis 1912 eine geschlossene Anlage von
Gebäuden für die Naturwissenschaften und die Medizin.
Viele Millionen Mark
hat der Freistaat nach dem Krieg und der Zerstörung in den
Wiederaufbau und den Ausbau der Würzburger Universität
gesteckt. Heute noch wird an der Sanierung von Echters "Alter
Universität" gearbeitet, dem Domizil der Juristen. Die
dazugehörige Neubaukirche, 1945 weitgehend zerstört, war
der letzte große Würzburger Bau von Rang, der auf Wiederherstellung
warten mußte. 1970 wurde beschlossen, die Kirche nach einem
Wiederaufbau als Festsaal, Aula und Konzerthalle der Universität
zu nutzen. Heute nimmt eine der bedeutendsten Raumschöpfungen
des 16. Jahrhunderts im süddeutschen Raum diese Funktionen
wahr; gleichwohl hat sie aber den würdigen Charakter von Echters
Renaissancekirche bewahrt und so fand auch sein Herz nach Jahren
der zerstörungsbedingten Auslagerung in seiner Kirche wieder
den Platz, den der Erbauer sich schon zu Lebzeiten gewünscht
hatte.
Das Studium: Traditionsbewußtes
und zukunftsorientiertes Fächerspektrum
Als die
Universität 1582 gegründet wurde, nahm sie ihren Betrieb
mit einer Theologischen sowie einer Philosophischen Fakultät
auf und verfügte bald auch über eine Juristische und Medizinische
Fakultät. Im Jahre 1878 gliederte sich ihre Philosophische
Fakultät in zwei Sektionen, in einen philosophisch-historischen
und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich.
Erst 1937 verselbständigte
sich die mathematisch-naturwissenschaftliche Sektion zu einer eigenen
fünften Fakultät. Als nach dem 2. Weltkrieg die Lehr-
und Forschungsarbeit wieder fortgesetzt wurde, blieb es bei dem
vorherigen Stand. 1968 wurde die Rechts- und Staatswissenschaftliche
Fakultät in zwei selbständige Abteilungen geteilt, in
die Juristische und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät.
Die Universität besaß nun sechs Fakultäten. Ab 1972
schloß sich mit der Eingliederung der früher eigenständigen
Pädagogischen Hochschule die Erziehungswissenschaft als siebte
Fakultät an. Infolge der Hochschulreform 1974 wurde die Universität
in insgesamt 13 Fakultäten umorganisiert. Die Erziehungswissenschaft
wurde 1977 aufgelöst und den restlichen zwölf Fakultäten
eingegliedert.
Einer der Hauptgründe
für die Attraktivität der Würzburger Universität
ist zweifellos das auf 12 Fakultäten verteilte breite Fächerspektrum,
das nahezu alle traditionellen Gebiete einer alten Universität
umfaßt. In ihrer nun über 400jährigen Geschichte
zählte sie stets zu den durchschnittlich großen deutschen
Universitäten. Zu von Virchows und Röntgens Zeiten lag
die Gesamtzahl der Studierenden an der Alma Julia zwischen 700 und
1000 Studenten, noch vor 40 Jahren bei 2500; heute gehört sie
mit rund 20.000 Studenten zu den vier großen Universitäten
Bayerns. Ihnen stehen 350 Professoren und rund 2700 wissenschaftliche
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber.
Mit 3.000 Studierenden
bilden die Mediziner heute die größte Einzelfakultät.
Die Hälfte aller in Würzburg Studierenden gehört
jedoch den geisteswissenschaftlichen Bereichen an. Davon zählen
380 zur Katholisch-Theologischen Fakultät, etwas mehr als 520
zur Philosophischen Fakultät I, jeweils rund 3.000 zu den Philosophischen
Fakultäten II und III. Bei den Juristen sind über 2.600
Studenten immatrikuliert und bei den Wirtschaftswissenschaftlern
rund 2.000. Biologen und Chemiker bringen es jeweils auf rund 1.200
Studierende, die Fakultät für Mathematik und Informatik
auf etwas über 1.000, Physiker und Erdwissenschaftler bleiben
jeweils unter der 1.000er-Grenze.
Die Naturwissenschaften
streben räumlich seit den 50er Jahren in die Außenbezirke
der Stadt. Die Auslagerung begann mit den Botanikern, die ihre Institute
zum Dallenberg verlegten, und setzte sich in den 60er und 70er Jahren
mit dem Aufbau der Universität Am Hubland fort. Chemikern und
Pharmazeuten, Mineralogen und Kristallstrukturforschern, Physikern
und Astronomen stehen heute dort, zusammen mit Mathematikern und
Informatikern, hochmoderne Institutsgebäude und leistungsfähige
Labors, Seminarräume und Hörsäle zur Verfügung.
Während sich die Fachbereiche Philosophie I und III sowie die
Juristen und Wirtschaftswissenschaftler noch in der Stadt befinden,
teils in der fürstbischöflichen Residenz, teils in der
Universität am Sanderring, teils im Stadtgebiet verstreut,
ist die Philosophische Fakultät II in einen Neubau Am Hubland
ausgewandert.
Die Universitätsbibliothek:
Drei Millionen Buchbände
Unverzichtbare
und meistfrequentierte Einrichtung einer jeden Universität
ist ihre Bibliothek. Die Würzburger Universitätsbibliothek
Am Hubland verfügt über einen wissenschaftlichen Buchbestand
von rund drei Millionen Bänden. Sie umfaßt 14 Teilbibliotheken.
Rund 350.000 Benutzer aus der Universität, den Schulen und
den Bewohnern aus Stadt und Umland bevölkern jährlich
die Lesesäle. Zur guten Ausstattung zählen auch das für
den gesamten EDV-Betrieb der Universität verantwortliche Rechenzentrum
sowie ein Zentrum für Sprachen und Mediendidaktik mit einem
u. a. bei den Studierenden aller Fächer stark nachgefragten
Angebot von Intensivsprachkursen, die innerhalb von zwei Jahren
neben gehobener Sprachausbildung gründliche Kenntnisse in der
jeweiligen Landeskunde vermitteln und mit dem Anglicum, Gallicum
oder dem Hispanicum abschließen. Die Reihe der zentralen Einrichtungen
setzt ein Sportzentrum fort.
Eine besondere Rolle
spielt das Martin-von-Wagner-Museum mit einer Neueren Gemäldeabteilung
und der Antikenabteilung. Johann Martin von Wagner (1777-1858),
Maler und Bildhauer, Kunstberater und Freund Ludwigs I. von Bayern,
vermachte der Universität Würzburg im Jahre 1857 seinen
eigenen künstlerischen Nachlaß, seine Privatsammlung
(Gemälde, Kupferstiche, Handzeichnungen, Skulpturen und Münzen,
auch eine Anzahl Antiken) und ein beträchtliches Vermögen
unter der Bedingung, daß die Stiftung unter seinem Namen jederzeit
der Öffentlichkeit zugänglich sein müsse. Herzstück
ist eine Sammlung von 800 griechischen 'Vasen', d.h. von Trinkschalen,
Weinamphoren und anderen Tongefäßen aus der Zeit von
1000 bis 300 v.Chr. - daneben ägyptische, unteritalische und
hellenistische sowie etruskische Werke. Mit dem Ankauf (1872) der
Sammlung Feoli (die Brygos-Schale und 480 weitere, meist archaisch-griechische
und etruskische Vasen aus Gräbern der Etruskerstadt Vulci,
7.-5.Jh. v.Chr. wurde das Universitätsmuseum zur drittgrößten
Sammlung antiker Vasen in Deutschland, nach Berlin und München.
Weitere Ankäufe und Schenkungen erweiterten im Lauf der Jahrzehnte
den Bestand beträchtlich und stellen heute eine der bedeutendsten
Sammlungen für antike Kunst im mitteleuropäischen Raum
dar.
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